EU-Regulierung

Lieferkettengesetz in der Praxis: Warum europäische KMU plötzlich Fragebögen ausfüllen müssen

Viele KMU in Österreich, der Schweiz, Spanien, Frankreich und Italien denken: "Das betrifft uns nicht – wir haben keine 1.000 Mitarbeiter." Doch während die direkte Anwendbarkeit begrenzt sein mag, sind die indirekten Auswirkungen nahezu universell.

Sarah Mueller
Sarah Mueller
Senior Compliance Beraterin
1 Min. Lesezeit
Die Zukunft der Zertifizierung

Der Dominoeffekt des Lieferkettengesetzes

Das Gesetz funktioniert als kaskadierende Anforderung durch Lieferketten. Grosse deutsche Unternehmen müssen Menschenrechts- und Umwelt-Sorgfaltspflichten erfüllen, die sie an ihre direkten Lieferanten (Tier-1) weitergeben – typischerweise dort, wo KMU operieren. Gleichzeitig verstärkt die EU Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) den Druck auf Zulieferer, "lieferkettenfähig" zu werden.

Was das LkSG fordert

  • Risikomanagement-Framework
  • Regelmässige Risikobewertungen
  • Präventions- und Abhilfemassnahmen
  • Beschwerdeverfahren/Whistleblowing-Strukturen
  • Dokumentation und Berichterstattung

Typische Lieferantenanforderungen für KMU

Auch nicht-LkSG-regulierte Unternehmen erhalten Anforderungen von Kunden:

  • Selbstauskünfte zu Menschenrechten, Arbeitsschutz, Umwelt und Governance
  • Dokumentation von Managementsystemen – oft ISO-Logik auch ohne explizite ISO-Anforderungen
  • Vertragliche Klauseln (Supplier Codes of Conduct, Audit-Rechte, Meldepflichten)
  • Erwartungen an interne Beschwerdesysteme

Was die CSDDD hinzufügt

Die CSDDD folgt der "Kaskaden-Logik" entlang der Wertschöpfungsketten: Anforderungen wandern von Grossunternehmen über direkte Auftragnehmer nach unten. Besonders betroffen: Hochrisiko-Sektoren wie Textil, Metall, Bau, Landwirtschaft, Logistik, Abfall und chemie-nahe Lieferketten.

Praktischer Aktionsplan für KMU

1. Lieferkettenfähigkeit als Produktmerkmal definieren

B2B-Kunden erwarten zunehmend "compliance-fähig" als Standard-Lieferfähigkeit. Dokumentierte Prozesse und schnelle Nachweiserbringung werden zum Wettbewerbsvorteil.

2. Minimum-Evidenzpaket aufbauen

Statt bei jedem Kunden neu zu starten: Unternehmensprofil, Code of Conduct, Risikoerkennungsprozess, Abhilfeprozess und Dokumentationsstruktur standardisieren.

3. Beschwerdeweg sauber lösen

Definierte Kanäle, klare Verantwortlichkeiten, Schutz vor Vergeltung und nachvollziehbare Prozesse sind essenziell.

4. Risikobasiert statt "alles auditieren"

Gesetz und Leitfäden betonen Verhältnismässigkeit und Risikofokus: Tiefere Prüfung dort, wo das Risiko höher ist.

5. Zertifizierungen strategisch nutzen

Gut gepflegte Managementsysteme erleichtern strukturierte Lieferantenbewertung, dokumentierte Verantwortlichkeiten und Audit-Bereitschaft.

Fazit

KMU bleiben lieferfähig – und können LkSG/CSDDD-Anforderungen als Chance nutzen statt als bürokratische Last. Digitales, schlankes Zertifizierungs- und Evidenzmanagement ermöglicht wiederholbare Supply-Chain-Compliance.

#ISO 9001#ISO 27001#ISO 42001#ISO 14001
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Über den Autor

Sarah Mueller
Sarah Mueller
Senior Compliance Beraterin

Senior Compliance-Beraterin mit Fokus auf ISO-Zertifizierungen und EU-Regulierung.